“Der absolute Film”

3935gross

Musical metaphors played an essential role in the aesthetic reflections that laid the foundations of “abstract cinema.” This label, coined in 1921 by critic Theo van Doesburg, openly alluded to music right from the beginning. In describing Eggeling and Richter’s experimental films, van Doesburg wrote about “visible music” – meaning a composition that “unfolds” right before our eyes, “not unlike what happens in music.”

What the short films of Eggeling, Richter, and Ruttmann have in common is the fact that they give a musical guise to what is purely visual material. As a visual art, “art for the eyes,” abstract cinema aspires to organize time rigorously, according to autonomous syntactic principles.

In this search for a visual language with a highly formalized syntax, no other art could have provided such a powerful conceptual paradigm as art music––especially absolute instrumental music. The drive toward the abstract explains the frequent use of musical titles in films, as well as the title of the Berlin Film matinee Der absolute Film––which took place on May 3, 1925, at the Ufa-Theater am Kurfürstendamm––in which members of the Novembergruppe presented the results of their experiments. The idea of an “absolute cinema” explicitly recalls the notion of “absolute music:” just like pure instrumental music, abstract cinema aspired to an autotelic language, a language that relied solely on its own idiosyncrasies, to the point of being ultimately reduced to the unfolding of lines, colors, and forms in time.

The essay presents a detailed investigation of musical metaphors lying at the basis of the aesthetic manifesto of abstract cinema and a survey of their mediating role in the film analysis. As a paradigmatic case study, the analysis focuses on the audiovisual construction of Walter Ruttmann’s Lichtspiel Opus 1 (1921), with the accompanying score by Max Butting.

Francesco Finocchiaro, “Der absolute Film”: Über die musikalischen Metaphern im ästhetischen Manifest des abstrakten Films. In Novembergruppe 1918: Studien zu einer interdisziplinären Kunst für die Weimarer Republik, edited by Nils Grosch. Münster: Waxmann, 2018, pp. 181–193.

“Kriegsecho in der Kinomusik”

41609537_428422310895346_1816125489570238716_n

Seit der Begründung der ersten Film- und Kinofachzeitschriften um 1907 spielte die Musik zum Film bzw. die Musik im Kino im journalistischen Diskurs eine nicht zu unterschätzende Rolle. Neben umfangreichen Aufsätzen und zahlreichen Filmmusikbesprechungen zeugen speziell der Musik gewidmete Rubriken und Beiblätter von der hohen Aktualität dieses Themas – man denke beispielsweise an die Rubriken „Aus dem Reiche der Töne“, „Kino-Musik“ oder „Musikalische Rundschau“ des Kinematographen.

Der Vortrag möchte einen Einblick in den Filmjournalismus der 1910er-Jahre geben und dabei nachvollziehen, inwieweit der 1. Weltkrieg Auswirkungen auf die Debatte um die Filmmusik in deutschsprachigen Periodika hatte. Es stellt sich die Frage, welche Rolle der Musik im Kino nun zukam und ob ein Rückgang an musikbezogenen Artikeln für jene Jahre festgestellt werden kann. In welchem Verhältnis stehen filmmusikspezifische Aufsätze und jene Artikel, welche lediglich Randbemerkungen zur Filmmusik enthalten, zueinander?

Die Untersuchung wird folglich auch die Besprechungen der Weltkriegsfilme einschließen und der Frage nachgehen, wie eigentlich der Krieg selbst musikalisch illustriert wurde bzw. werden sollte – und ob dies überhaupt thematisiert wurde. Denn zwar entstand in den Kriegsjahren eine Fülle von „Kriegsfilmen“ im engeren wie auch im weitesten Sinne (das Spektrum reicht dabei von Dokumentationen, Wochenschauen und Kriegsanleihe-Werbefilmen bis hin zu den Krieg verarbeitenden Spielfilmen); nichtsdestotrotz scheint die Musik – insbesondere im Zusammenhang mit den nicht-fiktionalen Filmen – vernachlässigt worden zu sein. Stattdessen fokussieren sich die Aussagen auf die visuelle Ebene, also auf die Verbildlichung des Krieges. Dies ist insofern erstaunlich, als dass die Kriegsfilme nicht zuletzt wichtige Funktionen erfüllen sollten, wie die Stärkung des Patriotismus, Ablenkung und „Zerstreuung“ oder die Akquise von Kriegsanleihen. Erinnert sei auch an die Gründung von Bufa und Ufa im Jahre 1917 als Organe filmischer Propaganda. Die Vermutung liegt also nahe, dass man die Bedeutung der Musik für die Wirkung und den Erfolg eines Filmes – wie sie von Journalisten der 1920er-Jahre immer wieder hervorgehoben wird – zu dieser Zeit noch nicht oder zumindest nicht in diesem Ausmaße erkannt hat.

H. Engelke, „Kriegsecho in der Kinomusik“: Zur Rolle der Musik im filmjournalistischen Diskurs, Symposium „Der erste Weltkrieg in der musikwissenschaftlichen Forschung“, Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung, Universität Osnabrück, September 26, 2018.

Rosita or The found music

This slideshow requires JavaScript.

Restored in 2017 by the MoMA of New York, Ernst Lubitsch’s film Rosita has been recently presented at the XXXII edition of “Il Cinema Ritrovato”, in Bologna, in a musical reconstruction edited by Gillian Anderson and performed by the Mitteleuropa Orchestra. The American composer and musicologist reconstructed Rosita‘s score on the basis of a 1923 cue sheet, drawn from the accompanying music by Louis Ferdinand Gottschalk.

Francesco Finocchiaro, Il Cinema ritrovato: Rosita di Ernst Lubitsch recupera le sue musiche, “Amadeus”, June 29, 2018