Filmmusik als Propaganda

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Der Umgang mit Musik und Klang im faschistischen Kino war alles andere als naiv: Unterschwellige Komponenten des filmischen Textes dienten dazu, dem Publikum gezielt Bedeutungskonstellationen zu vermitteln, welche der Kulturpolitik des Regimes zuträglich waren.

Insbesondere die akustisch-musikalische Komponente erweist sich in Filmen mit mehr oder weniger explizitem Propagandagehalt als strategisches ideologisches Instrument. Die soziokulturellen Komponenten der faschistischen Ideologie sind dabei von einer starken musikalischen Polarisierung geprägt: Einerseits betont die Musik etablierte Topoi der faschistischen Rhetorik wie das Risorgimento, die Familie, die „Latinitas“ oder das bäuerliche Leben; andererseits tritt die Musik in den Dienst der antikommunistischen, antijüdischen und antiäthiopischen Ikonographie, um die Feinde des Regimes durch Dissonanzen sowie kakophone Cluster zu diskriminieren. Der Klang dient nicht zuletzt dazu, die sozioökonomischen Veränderungen der Moderne zu unterstreichen, beispielsweise die Amerikanisierung des Lebens in großen Ballungszentren und die vermeintliche Amoral urbaner Kulturen.

Eine Analyse des kinematographischen „Soundtracks“ im Faschismus sowie der damit verbundenen ideologischen Konstruktionen ermöglicht es, ein grundlegendes, bisher vernachlässigtes Kapitel der Kulturpolitik im Regime zu rekonstruieren.

14. Januar 2020
15:00–17:00 Uhr: Round table
Alte Kapelle am Campus der Universität Wien
Spitalgasse 2–4, Hof 1, 1090 Wien

19:00–21:00 Uhr: Stummfilm-Projektion
Istituto Italiano di Cultura, Ungargasse 43A, 1030 Wien
Addio, giovinezza! (1918)